Frontenkrieg

Stefanie Müller März 19th, 2007

In Spanien vergeht derzeit kein Wochenende, an dem nicht demonstriert wird. Die Gründe für die vor allem von der spanischen Rechten animierten Massenaufläufe in Madrid, Navarra und dem Baskenland werden immer absurder.

So gingen in der autonomen Region Navarra an diesem Samstag Tausende auf die Strasse, um für die Eigenständigkeit der nordspanischen Autonomie einzutreten. Verhindert werden sollte mit dem Protest, dass sich das Baskenland, wie es Eta seit seiner Gründung verlangt, diese wirtschaftlich starke nordspanische Region vereinnahmt.
Für mich als Ausländer ist ein solches Szenario absurd. Denn es gibt keinerlei stichfeste Hinweise oder sogar  Beweise, dass die linke Zentralregierung mit Eta über einen solchen Tatbestand verhandelt. Es ist auch Wahnsinn zu glauben, dass ein Politiker in einem demokratischen Staat Navarras Eigenständigkeit wirklich diskutieren könnte. Er kann eine Volksbefragung in der Region zu lassen, aber er kann niemals über die Köpfe der Betroffenen entscheiden. Der sozialistische Premier Zapatero würde damit alle rechtstaatlichen Grenzen sprengen und die gesamte Bevölkerung gegen sich aufbringen.
Aber die Rechte wiegelt dennoch weiter mit Protesten die Massen auf, schürt unbegründete Ängste. Bei den Umfragen hat ihr das bereits einige Pluspunkte gebracht. Peinlich ist, dass auch einige spanische Medien in diesen Wochen diese Hetze zur Gunsten von Wahlstimmen unterstützen und zur Beteiligung an den Demos aufrufen. An diesem Wochenende stimmte das angesehene spanische Wirtschaftsradio Intereconomia auf seiner Frequenz sogar  zu diesem Zweck die Hymne von Navarra an.
Auch die vielen teilweise extremen Reaktionen auf meinen Beitrag über Katalonien zeigen, dass Spanien, ein Land voller Vielfalt und voll verschiedenster Einflüsse eindeutig Gefahr läuft, die alten Fronten des Bürgerkrieges wieder aufzubauen. Die regierenden Sozialisten sind mit ihrer teilweise sehr ungeschickten Strategie in Sachen Eta und auch im Umgang mit Katalonien eindeutig Schuld  an dieser Entwicklung.
Dabei verpasst das sich im politischen Streit festbeißende Land außenpolitisch so viele Chancen und verschafft Eta unbewusst eine Kommunikationsplattform: Jeden Tag tauchen die Terroristen in den Medien und im politischen Diskurs auf, Massen gehen aus Protest gegen sie auf die Strasse. Ein größere Propaganda kann man sich gar nicht vorstellen und das 40 Jahre nach Beginn des Terrors.  

Spanamerika

Stefanie Müller März 5th, 2007

 

Spanamerika

 

 

Spanien ist kein uneingeschränkter Freund der USA. Teilweise zeigen die Iberer sogar heftige Reaktionen gegen den amerikanischen Allmachtsanspruch. So zum Beispiel bei der Bush-Intervention im Irak. 90 Prozent der Spanier war damals gemäß der Umfragen gegen die spanische Unterstützung des Angriffs. Sie gingen auf die Strassen.

Gerne lästern die Spanier auch über die Essgewohnheiten der Amerikaner, ihren Kleidungsstil und ihre Musik. Trotz aller Vorbehalte, die es hier gegen die USA gibt, ahmt wohl kein Land in Europa den American way of life so nach wie die Spanier. Sie lieben es, sich mit Konsumkrediten hoch zu verschulden, verbringen häufig ihr Wochenende in riesigen Shopping- und Freizeitzentren und immer mehr Menschen hierzulande schicken ihre Kinder zu teuren Privatschulen. Der Absatz von Spritschluckern wie Jeeps oder Kleinbussen wächst im Vergleich zum Rest Europas überproportional. Die Wegwerfgesellschaft ist hier so ausgeprägt wie in kaum einem anderen europäischen Land, das Umweltbewußtsein befindet sich noch in den Kinderschuhen.

Der Konsum ist der neue Gott der in der Mehrheit katholischen Spanier. Die spanischen Haushalte sind in Europa deswegen die hoch verschuldetsten und denoch kennt die Werbung für Kredite und Konsumgüter keine Grenzen. Am Strassenrand ist alles voll gepflastert mit Schildern, selbst die Nachrichten im Fernsehen werden gesponsert und von Werbung unterbrochen. Im Radio geht journalistischer Inhalt und Werbung fließend in einander über.

Zwar gibt sich das Land sehr modern und in vielen Bereichen wie der Homoehe progressiv, aber wie in den USA hat die Kirche immer noch einen enormen Einfluss auf die Gesellschaft, zumindest auf einen großen Teil und auch auf die Politik. Obwohl das Land sehr hohe Abtreibungsraten hat und eine sehr liberale Fortpflanzungsmedizin erlaubt, sind viele Medien erzkonservativ, hat der Opus Dei seinen Ursprung in Spanien. Spanien ist in vielen Bereichen eine Scheingesellschaft geworden, in der zwar immer noch mehr Paare kirchlich heiraten als anderswo, wo aber neben den Autobahnen Nachtclubs unübersehbar für die käufliche Liebe werben, die Geburtenrate einer der niedrigsten der Welt ist und die Scheidungsrate rasant wächst. Eigentlich ist die Amerikanisierung der spanischen Gesellschaft sehr schade, weil Spanien dadurch seinen Traditionen verliert, seine Eigenheiten, seine Originalität.

Es ist wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit, wenn das Land sich auch beim Essen gen Fast Food orientiert und auf seine ausgedehnten Essenszeiten verzichtet. Wirklich schade…

Die Genalität von 4jährigen

Stefanie Müller Februar 12th, 2007

Wir haben nicht nur einen genialen Hund zuhause, sondern auch eine Tochter, die Geniales von sich gibt. So war ich letztens mit ihr in einer Bar zum Frühstücken, wie man das halt hier in Spanien so macht. Plötzlich musste ich auf Toilette und ich sagte ihr: “Komm Ana, ich muss nach oben aufs Klo. Du kannst nicht alleine hier unten bleiben.” Ich dachte an die möglichen “bösen Männer”, die dort standen und scheinbar harmlos an ihrem Kaffee schlürften und vielleicht nur darauf warteten, meine Ana Sophie zu entführen. Aber die Vierjährige versteht mein Problem nicht und schaut mich mit forschen Augen an: “Mama, Du kannst doch alleine auf Toilette gehen, oder?”

Auch in vieler anderer Hinsicht ist sie nicht “ganz normal”. So will sie abends extra “keine” Geschichte vorgelesen bekommen. Sie legt sich selber englische Märchenkassetten ein: “Mama, geh bitte. Ich will schlafen”, sagt sie nüchtern, wenn ich mit einem Buch ankomme.

Man fragt sich da schon, von wem hat sie das…

Mehr Sprüche und Geschichten von Ana Sophie pronto….

Luna Fortuna, Teil 3

Stefanie Müller Februar 4th, 2007

Heute hat sie uns mal wieder geärgert. Sie ist wieder abgehauen, die Streunerin… Erst um Mitternacht kam sie zurück von ihrer Liebe Malko. Ich bin extra wach geblieben. Schließlich ist es ja kalt draußen und man will ja nicht, dass das Tier erfriert. Und dann endlich höre ich das gewohnte Stossen mit der Schnauze gegen die Haustür. Ich mach die Tür auf und da kommt das Luder rein, als wäre nichts geschehen und schmeißt sich direkt auf das Bett von meinem Sohn Alvaro. Der sagt übrigens, dass er in den Hund verliebt ist und ihn heiraten will. Irgendwie auch komisch.. Katzen dürften zu der Hochzeit nicht kommen. Was hat Luna Fortuna, dass alle sie lieben, trotz ihrer ständigen Eskapaden…..???? Das gewisse Etwas…

Luna Fortuna, Teil 2

Stefanie Müller Februar 2nd, 2007

Luna hat am Wochenende wieder einiges kaputt gemacht. Eine Jacke von meiner Tochter, ein Kissen und eine Barbie - sie hat der Superblonden, übrigens die echte Version, einfach die Füsse abgebissen. Der Kommentar meiner konsumsüchtigen Tochter, die sie ohne viel Tränen in den Mülleimer wandern ließ: “Mama, morgen kaufst Du mir eine neue, oder?” “Nein, meine Liebe. Du musst aufpassen auf deine Sachen”, sagt die strenge Mutter. Ich bin wütend, auf sie und auf diesen Hund, der alles zerkaut. Ich sperr Luna aus in den Garten. Es regnet, aber das ist mir egal.

Aber mit Hunden ist das wie mit Kindern, man verzeiht ihnen wesentlich mehr und schneller als man vielleicht seinem Mann oder seinen Eltern verzeihen würde. Was soll ich auch machen, wenn sich Luna Fortuna vor die Verandatür setzt und mich mit ihren treuen Augen anschaut. Ich lass’ sie natürlich rein. Und was macht sie zum Dankeschön. Sie legt sich vor meine Füße und pupst ordentlich…. Es gibt nichts Schlimmeres als das. Ich reiß die Gartentür sofort wieder auf, um diesen elenden Geruch aus dem Wohnzimmer zu bringen… Luna hat sich derweil schon aufs Bett von meinem Sohn geschmissen. Der schläft schon. Sie kuschelt sich an ihn, wärmt sich an seinem Körper. Ich will sie runter reißen, aber das Biest will nicht. Mein Sohn wird wach, greift nach ihrem Kopf und murmelt: “Lass sie bitte hier.” o.k.. Man kann Hunden und Kindern halt wenige Wünsche ausschlagen. So schläft Luna auch an diesem Tag wieder Seite an Seite mit ihrem besten Freund, obwohl sie eigentlich den Regen und die bittere Kälte von draußen verdient hätte….

Blonde, die alle überrascht……

Die Abenteuer von Luna Fortuna, Teil 1

Stefanie Müller Januar 30th, 2007

Als Kind bin ich auf einem Bauernhof groß geworden und damit auch mit vielen Tieren. Ich weiß also ungefähr, was eine Katze kann, ein Pferd und ein Hund. Um so überraschter bin ich von dem Hund, der seit einem Jahr Teil unserer Familie ist. Er besitzt übertierische Fähigkeiten. Vielleicht liegt es daran, dass es ein Hündin ist….. Vom ersten Moment an, hat dieser Labrador-Mischling ernome Überlebensfähigkeit bewiesen.

Gefunden habe ich sie eines Tages in meinem Auto. Meine Tochter vergaß, die Tür zu schliessen und so machte die Streunerin es sich dort bequem. Als wir meinen anderen Sohn von der Schule abholen wollten, entdeckte ich sie eingerollt auf dem Rücksitz. Mit ihren treuen schwarz umrandeten Augen schaute sie mich an: “Hallo, ich will auch mit.”

Eigentlich wollten wir ja gar keinen Hund. Zwei Kinder und ein Haus, die Arbeit - genug Stress und Verpflichtungen. Aber diesem Blick konnte ich nicht widerstehen und die Kinder waren natürlich total aus dem Häuschen. Die Hündin war wie sie, verspielt und neugierig, gerade mal ein paar Monate alt. Sie hatte keinen nachweislichen Besitzer und so überraschte ich meinen Sohn mit diesem Geschenk im Auto. Wir gingen zum Tierarzt, verpassten ihr einen Chip und alle notwendigen Impfungen.

“Das ist Schicksal”, sagte mein Sohn und taufte sie Fortuna. Weil wir aber merkten, dass die Hündin viel Unsinn machte, wir sie oft rufen mussten und der Name dafür nicht geeignet war, einigten wir uns schließlich auf “Luna” - Mond. In ihrem Pass steht Luna Fortuna. Alle in der Familien haben einen Doppelnamen, warum sollte sie keinen haben. Selbst mein Mann konnte ihrem Charme nicht widerstehen……

Zwar ärgert er sich oft über die Tonterias, den Quatsch, den sie macht, die vielen Schuhe, die sie uns zerkaut hat und die Haare, die sie uns wie eine Spur überall hinterläßt, aber auch er hat sie ins Herz geschlossen. Endlich mal ein weibliches Wesen, das ihm zu Füssen liegt…

Inzwischen sind wir mächtig stolz auf Luna Fortuna, auch wenn sie uns immer wieder Ärger beschert. Weil sie immer wieder abhaut, kennt sie das ganze Dorf. Sie taucht auch immer wieder an der Grundschule auf, um meine Kinder dort zu begrüssen. Sie ist der Liebling aller. Sie beisst nicht, kämpft nicht mit Artgenossen und ist immer zum Spielen aufgelegt. Und außerdem ist sie wie gesagt, eine Superhündin. Absolut genial ist, dass sie fast nie bellt….

Sie putzt sich wie ein Katze, springt aus dem Stehen über eine zwei Meter hohe Mauer, balanciert auf ihr und läuft ab und an über die Autobahn, um ins Nachbardorf zu kommen. Oft ist sie Tage lang weg, findet aber immer wieder zurück. Diese Überlebenskünste ermöglichen es ihr auch, neue Artgenossen kennenzulernen. Andere Familien haben schließlich auch schöne Rüden. Tja, so lernte sie Malko kennen, einen baskischen Hirtenhund aus der Nachbarstrasse. Eine unzertrennliche Liebe…

Wir brauchten lange, bis wir überhaupt davon erfuhren. An der Schule sprach mich eine Frau auf einmal an: “Sag mal, Euer Hund ist bei mir in Vollpension.” Wie, was??? “Na, ja, sie kommt jeden Tag zu uns und Malko mag sie so gerne und ist deswegen so dumm, dass er ihr das Futter überläßt.” Aber wie kommt sie den überhaupt in den Garten? “Da gibt es ein Loch in der Hecke..”

Diese wunderschöne Liebesgeschichte hat jedoch einen Haken. “Luna verführt ihn ständig, abzuhauen. Irgendwann hat sie genug von ihm und geht nach Hause. Aber Malko findet dann nicht mehr zurück, streunt alleine rum und wir müssen ihn dann suchen. Das nervt”, beschwert sich Herrchen. “Luna ist einfach zu intelligent für unseren Hund”, meint Frauchen Ingrid, die aber zugibt, dass sie unseren goldgelben Mischling mehr als bewundert: “Der Hund ist einfach spitze. ”

In den kommenden Wochen erzähle ich Euch, was Luna Fortuna schon alles ausgeheckt hat, wie sie sich trotzdem mit ihrem umwerfenden Charme bei allen einschleimt. Sie ist die typische hyperintelligente Blonde, die alle überrascht……